Verkehrstechnisch abgehängt?

Unternehmen wie Lapp sehen Wirtschaftsstandort in Gefahr, wenn Nord-Süd-Straße nicht ausgebaut wird

 

Zugunsten eines Radschnellweges will die Verwaltung den im Entwurf des Verkehrsstrukturplans noch vorgesehenen dreistrei  gen Ausbau der Nord-Süd- Straße zwischen Industrie- und Vaihinger Straße nicht weiterverfolgen. Unternehmen vor Ort laufen Sturm dagegen. In einem interfraktionellen Antrag drängen auch Stuttgarter Gemeinderäte darauf, den Ausbau weiter zu forcieren. Zudem hat die CDUGemeinderatsfraktion den Bau eines zweiten Parkhauses über der A 8 ins Spiel gebracht.

 

VON DANIEL STOLL

 

„Zwar gibt es in dem vorgelegten ‚Verkehrskonzeptle‘ für das Industriegebiet positive Ansätze, aber auf den Zufahrtsstraßen zum und vom Industriegebiet wird das tägliche Verkehrschaos ohne den ursprünglich von der Stadt versprochenen Ausbau noch weiter verschärft“, protestiert Andreas Lapp. Der Vorstandsvorsitzende der Lapp Holding AG mit Sitz in der Oskar-Lapp-Straße erwartet nicht nur gravierende Nachteile für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten seines Unternehmens, sondern für viele Bürger auf den Straßen Vaihingens und Möhringens. „Ich habe das Gefühl, dass die Stadtverwaltung und ihre obersten Entscheidungsträger unsere Sorgen einfach ignoriert. Die Verkehrssituation ist bereits jetzt eine Katastrophe. Unser Standort ist in Gefahr!“ Statt eines schlüssigen Gesamtkonzeptes würden Kleinstmaßnahmen wie neue Radwege und die Verbesserung der Buslinie 80 vorangetrieben und der dringend notwendige Ausbau der Nord-Süd-Straße durch die Hintertür verhindert, beklagt Lapp.

 

Ohne Kfz läuft oft nichts

 

„Es kann nicht sein, dass dieser wichtige Unternehmensstandort in Stuttgart durch eine unzureichende Verkehrsanbindung geschwächt wird“, unterstreicht auch Stefan Kölbl. Der Dekra- Vorsitzende, dessen Konzern in der Handwerkstraße ansässig ist, befürchtet, verkehrstechnisch abgehängt zu werden – schließlich seien viele der knapp 1500 Beschäftigten aufgrund der großen Entfernungen aufs Auto angewiesen. In einer Pressemitteilung fordert die Prüfgesellschaft, keine voreilige Entscheidung zu treœffen, sondern weitere Optionen zu prüfen und den verkehrstechnisch erforderlichen dreispurigen Ausbau zwischen Industriestraße und Hengstäckertunnel anzugehen. Geballte Unterstützung erhalten die beiden Vorstände indes aus den Reihen des Gemeinderats: In einem gemeinsamen Antrag vom 3. Juni drücken die Fraktionen der Freien Wähler, der CDU und FDP ihr Unverständnis über das Vorgehen der Verwaltung aus, „ohne Zahlen, Daten oder Begründung den im eigenen Verkehrsstrukturplan noch selbst empfohlenen Ausbau dieses Streckenabschnittes jetzt und in Zukunft hinfällig“ zu machen. Diese „überraschende Wende“ halten die Stadträte für inakzeptabel und fordern stattdessen: „Die Verwaltung vergibt so rasch wie möglich eine Voruntersuchung zum Ausbau der Nord-Süd-Straße in Richtung Norden, wie es der Gemeinderat auf Vorschlag der Verwaltung bereits im Juli 2019 für den südlichen Teil der Nord-Süd- Straße beschlossen hat.“ Für den Streckenverlauf des neuen Radschnellweges solle ein Vorschlag entwickelt werden, der nicht in Konkurrenz zum geforderten Ausbau stehe und bestehende Radwege einbeziehen solle.

 

Gemeinsames Parkkonzept

 

Zudem solle gemeinsam mit den Bezirksbeiräten beider Stadtbezirke sowie der Wirtschafts- und Industrievereinigung (WIV) Stuttgart ein Parkkonzept erarbeitet werden. Dieses soll neben dem Aspekt des Anwohnerparkens auch den Bau eines ausreichend großen Park-and-Ride-Parkhauses mit direktem Anschluss an die A 8 und die B 27 sowie einer ÖPNV-Direktverbindung zum Synergiepark beinhalten.

 

Parken über der Autobahn?

 

Als Standort eines solchen Parkhauses hatte die CDU-Fraktion bereits in einem früheren Antrag eine Fläche quer über die A 8 vorgeschlagen, ähnlich dem Messeparkhaus wenige Kilometer weiter südlich. Dadurch würde sich nicht nur die neue Stadtbahnhaltestelle oder Seilbahnstation rechnen, sondern könne auch der Parkdruck und der Lärm im Fasanenhof reduziert werden.

 

Der Synergiepark

Der Synergiepark besteht aus den Gewerbegebieten Wallgraben- West und -Ost auf Vaihinger und Möhringer Gemarkung und ist eines der größten Gewerbegebiete im Land. Die Zahl der dort Beschäftigten wird sich von derzeit 20 000 innerhalb der kommenden zehn Jahre nahezu verdoppeln, insbesondere durch die geplanten Ansiedlungen der Allianz Lebensversicherungs- AG und der Daimler AG. Nach o« ziellen städtischen Angaben werde „an der Umsetzung der geforderten Verbesserung der verkehrlichen Rahmenbedingungen mit großem Nachdruck gearbeitet“.

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